Pressemitteilung

Buchenwald

  • 22.01.2026

Der Beitrag zum Nachlesen:

Jedes Jahr fahre ich mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden meiner Gemeinde in die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Buchenwald bei Weimar.

Es ist immer eine besondere Fahrt. Die Jugendlichen glauben mir nie, dass es dort oben auf dem Ettersberg selbst im Sommer kalt ist. Nachher sagen sie immer: Es war kalt. Aber gar nicht so sehr äußerlich. Sondern drinnen im Herzen.

Jeder Konfi-Jahrgang ist anders. In diesem Jahr haben wir lange über den Tierpark gesprochen, der direkt am Lagerzaun liegt. Affen, Hirsche, Bären – gehalten von der SS ab 1938, finanziert mit erpressten „Spenden“ von Häftlingen. Direkt daneben steht der Leichenschuppen. Tiere bekommen Fürsorge, Menschen nicht. Der Kontrast ist für die Konfis spürbar: Leben und Tod, sich Gutes tun und grausam gegen andere handeln … das liegt hier alles sehr eng beieinander. Mehr als 56.000 Menschen werden in Buchenwald getötet.

In der nahegelegenen Stadt Weimar wollen die Menschen damals von alldem nichts wissen. Sie sind dem NS-Regime treu und legen großen Wert darauf eine Kulturstadt zu sein. Goethe hat hier gelebt, Schiller auch. Die Weimeraner schauen weg, reden nicht über das, was geschieht, profitieren von der Arbeit der Buchenwalder Häftlinge. Dieser Kontrast – zwischen dem Leben in der Stadt und dem Leiden auf dem Ettersberg – der macht die Konfis nachdenklich.

„Nie wieder“ ist keine leere Floskel. Ausgrenzung fängt nicht erst mit Gewalt an. Sie fängt mit Worten an, mit Gleichgültigkeit, mit Schweigen. Aber – das finden die Konfis und das finde ich – jeder Mensch verdient Respekt, verdient ein gutes Leben.

Buchenwald
  • AM260122-Audio