Pressemitteilung

Der Heilige Suitbert kommt zurück

  • 28.02.2026


INFO: Ein großer Tag steht am Sonntag, 1. März in der Basilika St. Suitbertus am Suitbertus-Stiftsplatz, 40489 Düsseldorf-Kaiserswerth an: Bereits ab 7 Uhr wird dort zum Morgengebet eingeladen, bei dem die Reliquien des Kirchenpatrons in einen Glasschrein eingesetzt werden, in dem sie bis um 9.15 Uhr zu sehen sind. Der Einladung zum stillen Gebet folgt um 10 Uhr ein großes Pontifikalamt mit Kardinal Rainer Maria Woelki. Der Basilika-Chor singt die Messe D-Dur von Anton Dvorak. Nach der Messe wird zum Gespräch mit dem Kölner Erzbischof über die geistliche Zukunftsvision für die Erzdiözese eingeladen. Um 17:15 Uhr wird Prof. Dr. Dr. Elmar Nass in St. Suitbertus die Vesper feiern, um 18:00 Uhr beginnt dort die Sonntagabendmesse.

Adresse: Katholische Kirche Angerland-Kaiserswerth, Pfarrer Oliver Dregger, E-Mail, Suitbertus-Stiftsplatz 3, 40489 Düsseldorf, Tel. 0211 / 6558098

 

Suitbertusschrein kehrt zurück

Äußerer Anlass für den Festtag ist der Todes- und örtliche Gedenktag des Pfarrpatrons hl. Suitbertus am 1. März, dessen Reliquien im Rahmen der Restaurierung seines Schreins untersucht wurden. Wie auch die Reliquien von Willeicus, seines Nachfolgers als Abt im Kaiserswerther Kloster, werden sie nach ihrer öffentlichen Zeigung wieder versiegelt – der Schrein selbst kehrt mit den darin enthaltenen Reliquien in die Basilika zurück. Er entstand ab dem späten 12. Jahrhundert bis in die Zeit nach 1331, gilt als eines der bedeutendsten Werke mittelalterlicher Goldschmiedekunst im Rhein-Maas-Gebiet und zählt zu den herausragenden Großreliquiaren der Region.

Seit 2021 befand sich das Werk in der ursprünglich für die Restaurierung des Dreikönigenschreines (1961–1972) eingerichteten Goldschmiede und Metallrestaurierungswerkstatt des Kölner Domes. Dort wurden über 1100 vergoldete Kupfer- und Silberbeschläge abgenommen, dokumentiert und einer umfassenden Konservierung unterzogen, auch der Holzkern des Schreins wurde in einer spezialisierten Holzrestaurierungswerkstatt behandelt. Bis zum 31. Januar 2026 war nun in der Kölner Domschatzkammer eine Sonderausstellung „Der Kaiserswerther Suitbertusschrein in Restaurierung“ zu sehen, die erstmals aus nächster Nähe einen öffentlichen Blick auf die abgenommenen mittelalterlichen Figuren, Reliefs, Zierbleche, Säulen und Dachknäufe des Schreins möglich machte. Zur Ausstellung erschien ein Katalog, der in der Domschatzkammer erhältlich ist. Die digitale Ausführung zum Katalog ist abrufbar über die Website des Kölner Doms: Ausstellungskatalog (PDF) auf www.koelner-dom.de .

Unsere Gesprächspartner:

  • Anna Pawlik, Erzdiözesankonservatorin, Erzbistum Köln, Generalvikariat, Bereich Bau & Nachhaltigkeit, Fachbereichsleiterin Kunstdenkmalpflege, Marzellenstraße 32, 50668 Köln, Tel. 0221 / 1642 1603 / 0221 1642 1239, E-Mail: Klick zum E-Mail senden , kunstdenkmalpflege@erzbistum-koeln.de,
  • Oliver Dregger, Pfarrer von St. Suitbertus, leitender Pfarrer der Pastoralen Einheit Düsseldorfer Norden, 1968 geboren in Haan, 1999 in Köln zum Priester geweiht, Kaplan in Bad Honnef, dann tätig in Brühl, 2004 Domvikar in Köln, Seelsorger für die Domsingschule und Domchöre, ab 2015 Pastor der Pfarreien St. Suitbertus, St. Remigius, St. Lambertus, St. Agnes in Düsseldorf, zusätzlich seit 2024 Pastor der Pfarrgemeinde Heilige Familie in Düsseldorf, Adresse: Suitbertus-Stiftsplatz 3, Tel. 02 11 65 58 098, E-Mail, Internet: https://pfarreiengemeinschaft-angerland-kaiserswerth.de/

 

Suitbert – Mönch, Bischof, Missionar

Geboren um 637 im irischen Nordwesten der historischen Provinz Connacht, erlebte er im bedeutenden Kloster Rathmelsigi, dass 664 fast alle Bewohner einer Seuche zum Opfer fielen – darüber berichtet der heilige Benediktiner Beda Venerabilis in seiner „Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum“. Doch Suitbert („Der vor Kraft Glänzende“) wurde von einem anderen Virus gepackt: Er suchte das Martyrium wie bereits ungezählte andere seiner Brüder auf dem Kontinent und schloss sich nach der gezielten missionarischen Ausbildung in seinem Kloster der ersten großen Welle iroschottischer Missionare an. 690 geht Suitbert mit dem „Apostel der Friesen“ Willibrord (* um 658 in Northumbria/England; † 7. November 739 in Echternach) auf das europäische Festland, wird zwei Jahre später 692/693 durch Bischof Wilfrith von York (* um 634; † 709/710) zum Bischof ohne bestimmte Diözese geweiht. Drei Jahre missioniert er als Wanderbischof ohne festen „Dienstsitz“ mit einigen Gefährten unter den Brukterern zwischen Ruhr und Lippe, anfangs vor allem im nördlichen späteren Ruhrgebiet wohl durchaus mit Erfolg – bis die Region schließlich unter den ständigen Schlägen der sächsischen Raubzüge um 695 wieder zusammenbricht. Die beiden Hl. Ewalde, ebenfalls in Irland ausgebildet, die sich weiter östlich um die Mission bemühten, werden bei Aplerbeck im heutigen Dortmund an einem 3. Oktober zwischen 691 und 693 erschlagen. Enttäuscht zieht sich Suitbert zurück, kann mit Unterstützung des fränkischen Hausmeiers Pippin des Mittleren (680/687–714) und auf Fürsprache von dessen Frau Plektrudis nahe der Grenzzone auf der späteren Rheininsel Kaiserswerth ein Kloster gründen. Eine ganze Reihe Quellen berichten über sein Wirken in der Region, am Niederrhein und im Bergischen Land.

Suitbert stirbt am 1. März des Jahres 713 in Kaiserswerth und steht darum an diesem Tag auf dem Kalender. Im heutigen Düsseldorfer Stadtteil ist die Erinnerung an ihn besonders lebendig: Doch sein Ruf am Rhein ist schon früh bis in die Heimat gedrungen, ihn preisen auch die Klöster und Chronisten in der Heimat. Bonifatius Winfried (*um 673 in Crediton, Wessex/England, † 5. Juni 754/755 bei Dokkum/Friesland) macht sich drei Jahre nach Suitberts Tod auf den Kontinent auf, wird zum Apostel der Deutschen und holt zahllose Helfer aus den Klöstern der Inseln. Auch 100 Jahre später ist Suitberts Wirkung ungebrochen: An einem 4. September um das Jahr 810 nimmt ihn Papst Leo III. in den Kreis der Heiligen auf. Ein Jahr zuvor ist der hl. Ludgerus (* um 742; † 809), seinem Kloster Werden im Süden von Essen bestattet worden – der erste Bischof von Münster findet seine letzte Ruhe in dem einst von Suitbert missionierten Gebiet. Kaiser Karl (768–814) ist auf dem Höhepunkt seiner Macht, die Sachsen sind in den Kriegen 772–804 geschlagen – mit Gewalt scheint erreicht, was Suitbert und seine Gefährten ganz auf sich gestellt versuchten. Dargestellt wird er mit mindestens einem Stern – ein Attribut, das auf eine Prophezeiung zu seiner Geburt zurückgeht.

Iroschottische Mission

Zahlreiche Wanderbischöfe und Missionare aus dem Nordwesten Europas verbreiteten im 7. Jahrhundert das Christentum nördlich der Alpen. Sie entstammten dem Christentum, das seit der römischen Besatzung der Provinz Britannien entstanden war und seit der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts nach Irland kam. Mit der „Peregrinatio“, dem Verlassen der Heimat um der Mission willen, suchten die Mönche das Martyrium in der Fremde, wo sie als Einsiedler oder in Gemeinschaften lebten. Die strenge Ausbildung in den Klöstern förderte den wachsenden Ruf Irlands als „Insel der Heiligen und Gelehrten“. Ungestört von der Völkerwanderung, wuchs hier mit dem Briten Patricius, dem Hl. Patrick, eine reiche Klosterkultur, die von den örtlichen Clans unterstützt wurde und sich mit hoher expansiver Kraft in Schottland und England bis nach Island und zu den Färöern ausbreitete. Der Hl. Brendan (484-577) soll mit zwölf Gefährten dabei sogar in Amerika gelandet sein.

Unzählige Missionare brachen in zwei großen Wellen vom 6. bis zum 11. Jahrhundert auch auf den Kontinent auf, landeten an den französischen Küsten und kamen bis Galicien, erreichten das Elsass, bereits 563 St. Gallen in der Schweiz, aber auch Österreich und Oberitalien. Sie nahmen dafür Routen entlang der Flüsse, besonders am Rhein entlang, siedelten sich in Köln und anderen Orten Süddeutschlands in „Schottenklöstern“ an, gingen aber auch in die undurchdringlichen Landschaften rechts des Rheins. Ab dem 7. Jahrhundert missionierten sie in Hessen und errichteten zur Mitte des 8. Jahrhunderts mit dem hl. Bonifatius in enger Abstimmung mit den Päpsten neue Bistümer und Kirchenstrukturen in Deutschland.

Nur wenige dieser iroschottischen Missionare sind mit Namen bekannt. Als Schlüsselfiguren in unserer Region gelten der Friesenmissionar Willibrord aus Northumbria (658-7. November 739 in Echternach), Lebuin († um 775), der unter den heidnischen Altsachsen predigte, und Suitbert (um 637-713). Der Gründer und erste Abt des Klosters Kaiserswerth bei Düsseldorf missionierte zwischen Ruhr und Lippe, wo gleichzeitig auch die beiden Ewalde am Hellweg und im Münsterland tätig waren. Sie starben als Märtyrer zwischen 691 und 693 bei Aplerbeck in Dortmund, ihre Reliquien wurden nach Köln überführt. Insgesamt war die Missionstätigkeit in der fränkisch-sächsischen Grenzlage nur bedingt erfolgreich. Dies änderte sich erst mit der militärischen Unterwerfung der Sachsen durch Karl den Großen, die damit in das fränkische Hoheitsgebiet eingebunden wurden. Er selbst holte aus Irland und England stammende Mönche und Gelehrte an seinen Hof in Aachen, um die Bildung zu reformieren.

Buchtipp: Lutz E. von Padberg, Christianisierung im Mittelalter. Hrsg. WBG Darmstadt, Lizenzausgabe K. Theiss Verlag Stuttgart, 2006, ISBN 3-8062-2006-9.

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