Der Beitrag zum Nachlesen:
Draußen vor meinem Arbeitszimmer steht eine dicke Eiche. Laut Angabe der Stadt 270 Jahre alt. Ein alter Baum. Erst stand diese Eiche wohl auf freiem Feld, inzwischen mitten zwischen Wohnhäusern. Hier treffen sich Menschen auf ihrem Weg durch die kleine Straße unserer Stadt und unterhalten sich. Längst ist „meine“ Eiche ein eingetragenes Naturdenkmal, ein Zuhause für Vögel und Eichhörnchen. Und ein schöner Ort zum Verweilen.
Seit einigen Jahren ist die Eiche am Stamm von einem Pilz befallen. Jedes Jahr beauftragt die Stadt einen Förster mit der Begutachtung. Schließlich geht es um die Standfestigkeit und Sicherung. Ich habe ihn gefragt, was man gegen den Pilz tun könne. Seine Antwort: „Das erledigt der Baum von allein.“ Er hat wohl Maßnahmen in seinem Wachstum, die sich gegen das Eindringen des Pilzes wehren. Also ein erstaunlicher Selbstheilungsprozess oder zumindest ein Aufhalten der Krankheit; denn im letzten Herbst lagen wieder tausende Eicheln darunter.
Jeden Tag schaue ich mit Ehrfurcht auf diesen Baum, denke daran, was er alles erlebt und überlebt hat, und dass er eine Gabe hat, die uns Menschen oft fehlt: eine eindringende Schädigung von selbst abzuwehren. Und ich denke an Psalm 1: „Glücklich ist der Mensch, der sich an Gottes Weisung erfreut: Er gleicht einen Baum, am Wasser gepflanzt. Früchte trägt er zu seiner Zeit, und seine Blätter welken nicht. Und alles, was er tut, gelingt ihm.“
- AM260330

