Pressemitteilung

Papst reist in die Türkei

Von Stefan Klinkhammer (kath.) In genau einer Woche wird Papst Leo XIV. zu seiner ersten Auslandreise starten. Los geht es in der Türkei. Dort ist zum Beispiel in Istanbul das Don Bosco Learning-Center und kümmert sich um junge Geflüchtete.

  • 20.11.2025
  • Stefan Klinkhammer (Redakteur/Moderator)


INFO: Eigentlich hatte Papst Franziskus diese Reise unternehmen wollen. Nun übernimmt sein Nachfolger Leo XIV. die sechstägige Visite in die Türkei und den Libanon, zwei spannende Länder mit unterschiedlichsten Themen. In beiden Ländern sind Treffen mit Bischöfen, Klerikern, Ordensleuten und Seelsorgekräften sowie Vertretern christlicher Gemeinschaften vorgesehen.

Nach dem offiziellen Programm der ersten Apostolischen Reise in die Türkei und den Libanon ist der 1.700. Jahrestag des Konzils von Nizäa Anlass für den Besuch in der Türkei vom 27. bis zum 30. November: Im heutigen Iznik wurde das ökumenische Glaubensbekenntnis formuliert. Papst Franziskus (2013-2025) hatte bereits geplant, zu den Feierlichkeiten zu reisen. In der Türkei wird Leo nach einem Besuch des Atatürk-Mausoleums im Präsidentenpalast in Ankara empfangen. Eine Besichtigung der weltberühmten Hagia Sophia in Istanbul – die frühere Kathedrale wurde 2020 in eine Moschee umgewidmet – ist aber nicht geplant. Auf dem Programm stehen allerdings ein Besuch der Sultan-Ahmed-Moschee, auch bekannt als Blaue Moschee, sowie der syrisch-orthodoxen Kirche Mor Ephrem. Mit Blick auf das Nizäa-Jubiläum findet am 28. November unter anderem nahe der antiken Basilika Sankt Neophyt in Iznik ein ökumenisches Gebetstreffen statt. Mit dem ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Istanbul unterzeichnet Leo XIV. am nächsten Tag eine gemeinsame Erklärung. Am 29. November feiert der Papst eine große Messe in der „Volkswagen Arena“ in Istanbul. Am Sonntag, 30. November, an dem die orthodoxe Kirche das Fest ihres Patrons, des Apostels Andreas, feiert, ist zudem ein Gebetstreffen in der armenisch-apostolischen Kathedrale in Istanbul mit einem Grußwort des Papstes geplant. Anschließend hält er zu diesem Anlass bei einem orthodoxen Gottesdienst in der Patriarchalkirche Sankt Georg eine Ansprache und erteilt gemeinsam mit Patriarch Bartholomaios den Ökumenischen Segen.

Am Nachmittag fliegt er für seinen Aufenthalt vom 30. November bis zum 2. Dezember im Libanon in die Hauptstadt Beirut. Geplant sind ein Besuch im Präsidentenpalast sowie u.a. Begegnungen mit Vertretern von Regierung und Behörden sowie dem Diplomatischen Corps. Am Montag will Papst Leo das Grab des heiligen Charbel im Maroun-Kloster in Annaya besuchen. An eine ökumenische und interreligiöse Begegnung in Beirut schließt sich ein Treffen des Papstes mit jungen Menschen an. Am Dienstag hält Leo XIV. ein stilles Gebet und eine große Heilige Messe an der „Beirut Waterfront“ im Hafen von Beirut, wo 2020 bei einer verheerenden Explosion rund 200 Menschen getötet und viele Gebäude verwüstet wurden. Seine Rückkehr nach Rom ist für den Nachmittag vorgesehen.

Salesianer Don Boscos in Istanbul: Seit dem 1. September 2016 ist die Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos (SDB) zuständig für die einzige Niederlassung ihres Ordens in der Türkei. Die dortige Gemeinschaft der Salesianer Don Boscos „St. Bartholomäus“ in Istanbul wurde aus der Provinz „Mittlerer Orient“ in die Deutsche Provinz eingegliedert. Sie besteht seit 1903 und teilt sich in zwei Bereiche auf:

  • In Harbiye wurde am 12. Juni 1989 die Kathedrale San Esprit (Heiliger Geist) der Leitung der Salesianer mit einer Vereinbarung mit dem Apostolischen Vikariat in Istanbul übertragen. Dort befindet sich auch ein Jugendzentrum, eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge und ein schulisch organisiertes Learning Center für irakische, afrikanische und syrische Kinder und Jugendliche. Bei diesen handelt es sich fast ausschließlich um Christen, weil die christlichen Flüchtlinge in noch weit höherem Maße auf die Hilfe der Kirche angewiesen sind, die sie woanders nicht erhalten. Im Don-Bosco-Learning Center geht es darum, die Kinder und Jugendlichen nicht der Straße zu überlassen, zudem dient es als Ankerpunkt für ganze Familien, die zum Teil mehrstündige Busfahrten auf sich nehmen, um wenigstens ab und zu die Solidarität und Gemeinschaft der Christen zu erfahren. Die Kinder kommen fast täglich zu Sport und Spiel zusammen und können wenigstens dabei ihr oft dramatisches Schicksal vergessen. Schließlich lernen die Kinder hier neben den anderen üblichen Fächern vor allem Englisch und Türkisch. Ältere Jugendliche kommen regelmäßig im Don Bosco Youth Center
  • Bomonti, eine multikulturelle Gegend, in der es türkische Christen gibt (armenisch-katholischer, syrischer, armenisch-apostolischer, lateinischer, griechisch-katholischer und chaldäischer Ritus), Juden und muslimische Türken. Die Arbeit konzentriert sich vor allem, was die Türk*innen betrifft, auf die von einer Gesellschaft getragene EVRIM-Schulemit mehr als 400 Schülerinnen und Schülern, und bei den türkischen Christen auf die “Lourdes-Kirche“ und deren pastorale Angebote. Die EVRIM Schule hat einen hervorragenden Ruf und ist bekannt für ihre didaktischen Angebote bei niedrigen Schulgebühren. Das EFIM Institut ist seit 1909 ein wichtiger Bezugspunkt in Istanbul für die Verbreitung der italienischen Kultur und Sprache. Zudem ist es auch ein wichtiger Bezugspunkt zu Schaffung eines interkulturellen Ambientes, ein Thema, das in der heutigen Zeit von Bedeutung ist, angesichts des kulturellen Mosaiks der Türkei und der Probleme des zivilen Zusammenlebens, die derzeit immer größer werden. Außerdem ermöglicht das Institut seinen jungen Schülern sehr qualifiziert Ausbildungsmöglichkeiten, was man an den Einschreibungszahlen ablesen kann.

Unser Gesprächspartner: Pater Josua Schwab SDB wuchs in Ettenheim-Altdorf nördlich von Freiburg auf. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Benediktbeuern und Freiburg begann er 2014 sein Aspirantat bei den Salesianern Don Boscos in der Jugendbildungsstätte Calhorn und wechselte 2015 für das Vornoviziat in das Jugendhilfezentrum Don Bosco in Sannerz. Nach seiner Erstprofess 2016 arbeitete Josua Schwab zunächst als Betreuer einer Wohngruppe im Jugendhilfezentrum Don Bosco in Sannerz mit, bevor er im Sommer 2017 für das Studium der Sozialen Arbeit nach Benediktbeuern wechselte. In dieser Zeit absolvierte er auch ein zweijähriges Weiterbildungsstudium der Universität Heidelberg im Bereich Straßenpädagogik. An das Vornoviziat schloss sich das Noviziat in Pinerolo (Italien) an, anschließend sammelte er praktische Erfahrungen in der Arbeit mit jungen Menschen auch in der Jugendherberge und in der Jugendbildungsstätte Aktionszentrum in Benediktbeuern. Fünf Jahre lang, von 2016 bis 2021, begleitete er die Inlandsvolontäre von Don Bosco Volunteers, die bei Don Bosco in Deutschland ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Sein Auslandsjahr verbrachte er 2019 in der Gemeinschaft der Salesianer Don Boscos in Lyon (Frankreich) im Bereich Streetwork und Jugendsozialarbeit in verschiedenen prekären Vorstadtbezirken. Ab 2021 war Josua Schwab als Gruppenleiter im Jugendhilfezentrum Don Bosco in Sannerz tätig, wo er im Juni 2022 seine Ewige Profess feierte. Seine Diakonenweihe empfing er im Oktober 2022 und wurde in der Pastoral in Christkönig Flieden tätig. Seit Oktober 2023 leitet Josua Schwab die deutschsprachige Seelsorge in der Pfarrei St. Paul in Istanbul und ist im Don-Bosco-Zentrum für Flüchtlingskinder engagiert. Auf dem Gelände des Ordens in Istanbul befindet sich an zwei Standorten neben einer Beratungsstelle für Flüchtlinge und einem Bildungszentrum für geflüchtete Kinder aus mehr als 20 Nationen auch eine staatlich anerkannte Privatschule. Am 8. Juli 2023 wurde er durch den Fuldaer Bischof Michael Gerber in der Basilika des Klosters Benediktbeuern zum Priester geweiht.

Kontakt: Deutschsprachige Katholische Pfarrgemeinde St. Paul Istanbul, Pater Josua Aaron Schwab SDB, Tel. (0090-212) 2 19 11 91, Büyük Çiftlik Sokak 22, TR – 34365 Istanbul – Nişantaşı, E-Mail: mail@stpaul.de, Internet: www.stpaul.de.

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Dies ist ein Beitrag der katholischen Redaktion KiP-NRW für die Verkündigungssendung "Augenblick mal" im NRW-Lokalfunk. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Chefredakteur Dr. Christof M. Beckmann | Redaktion KiP-NRW | 0208 - 46849961 | Mail: beckmann@kip-nrw.de
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