Pressemitteilung

Seelsorge in der Abschiebehaft

Von Christof Beckmann (kath.): Sie kommen aus Ländern wie Iran oder Marokko - und warten in der Abschiebehaft, dass sie in ihre Heimat zurückgeführt werden. Einer der wenigen Lichtblicke, die sie haben, ist der Besuch von Martin Groos von den Maltesern.

  • 18.12.2025
  • Christof Beckmann (Redaktionsleiter)

INFO: So oft er kann, geht Dr. Martin Groos im Auftrag der Malteser als ehrenamtlicher Seelsorger in die Abschiebehaft Eichstätt. Nach dem Pharmazie- und Medizinstudium in Deutschland und den USA arbeitete der frühere Arzt viele Jahre an der Katholischen Universität (KU) Eichstätt-Ingolstadt und leitete hauptberuflich seit 1993 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand das International Office der Universität. Ehrenamtlich ist der ausgebildete Arzt und Pharmazeut Vorstandsmitglied der Hilfsorganisation „Support International e.V.„ und engagiert sich in der Koordination humanitärer Projekte, insbesondere in Krisengebieten, unter anderem in Afrika und im Nahen Osten. Mit seiner medizinischen Expertise organisiert er unter anderem Hilfslieferungen wie Insulin für die Ukraine und ist regelmäßig in Krisenregionen unterwegs, um den Bedarf vor Ort zu analysieren und Hilfsmaßnahmen zu planen.

Etwa einmal pro Woche führt er seit Herbst 2023in der Abschiebehaft Gespräche mit bis zu vier Personen, die oft erschütternde Lebenswege beschreiben. In Abschiebungs- oder Abschiebehaft genommen werden Ausländerinnen und Ausländer, die über keinen gültigen Aufenthaltstitel verfügen, also Deutschland verlassen müssen. Die Bezeichnung „Abschiebungshaft“ ist dabei der formelle, in den Gesetzestexten verankerte Begriff, der im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch besser unter „Abschiebehaft“ bekannt ist. Wenn ein Asylantrag abgelehnt wird, muss der oder die Betroffene innerhalb einer Frist freiwillig ausreisen. Wenn das nicht erfolgt, kann die jeweils zuständige Ausländerbehörde die Abschiebung erzwingen. Wenn eine Fluchtgefahr besteht, kann auf Anordnung eines Richters Abschiebehaft verhängt werden, um sicherzustellen, dass die Person zum Zeitpunkt der Abschiebung auffindbar ist. So soll sichergestellt werden, dass die Behörden die Betroffenen zu einem bestimmten Zeitpunkt zum Flughafen bringen können.

Die Abschiebehäftlinge sind keine kriminellen Personen oder Straftäter. Aber trotzdem werden sie unter haftähnlichen Bedingungen gehalten, was häufig unter Kritik steht: Es gibt Isolation, der Kontakt zu Mitgefangenen und zur Außenwelt, Kommunikation und Mediennutzung sind eingeschränkt, Freizeitmöglichkeiten sind sehr beschränkt. Dies führt zu viel Stress und häufig zu psychischen Erkrankungen unter den Gefangenen. Sie warten in der Regel zwischen zwei und sechs Wochen, in Einzelfällen auch monatelang darauf, dass die Rückreise in ihr Herkunftsland stattfinden kann. Die Abschiebungshaft in Eichstätt wurde im Jahr 2017 eröffnet und verfügt über 96 Plätze, davon zehn für Frauen. Aktuell sind etwa 60 Personen untergebracht, aus verschiedenen Ländern, wie beispielsweise Afghanistan, Pakistan, Tunesien, Nigeria oder Marokko. (pde)

Der Internationale Tag der Migranten: 2024 waren 304 Millionen Menschen weltweit nach Schätzungen der UN-DESA (International Migrant Stock) Migranten und leben außerhalb ihres Geburtslandes. Das entsprach 3,7 % der Weltbevölkerung. Die Zahl hat damit in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen, so aus dem Mai 2025 stammenden die Daten von Destatis. Es wird erwartet, dass diese Zahl aus einer Reihe von Gründen wachsen wird, darunter Bevölkerungswachstum, zunehmende Konnektivität, Handel, steigende Ungleichheit, demografische Ungleichgewichte und Klimawandel.
Grundsätzlich, erklären die Vereinten Nationen, biete Migration immense Chancen und Vorteile – für die Migranten, die Aufnahmegemeinden und Herkunftsgemeinschaften. Sie müsse jedoch gut reguliert werden, um sowohl die Rechte der Migranten besser zu schützen und zugleich zu mehr Wohlstand in den Herkunfts- und Aufnahmeländern beizutragen. Im September 2016 beschloss die Generalversammlung durch die New Yorker Erklärung für Flüchtlinge und Migranten einen globalen Pakt für sichere, geordnete und regelmäßige Migration zu entwickeln, dessen Text am 13. Juli 2018 als Global Compact for Safe, Orderly and Regular Migration (Text in allen Amtssprachen verfügbar) fertiggestellt wurde. Der globale Pakt umfasst 23 Ziele für ein besseres Management der Migration auf lokaler, nationaler, regionaler und globaler Ebene (Ziffer 16 des Global Compact for Migration). „Gemeinsam, Schritt für Schritt, können wir weiterhin eine Welt aufbauen, in der Migration sicher, geordnet und vorteilhaft ist – für alle“ – so das Ziel. Mehr: https://www.un.org/en/observances/migrants-day

Migration und Kirche in Deutschland

Die deutsche Bischofskonferenz hat am 24. September 2025 unter dem Titel „‚Wir schaffen das‘: An der Seite der Schutzsuchenden – katholische Flüchtlingshilfe 2015–2025 als Beitrag zu Herausforderungen der Migration“ informiert.  Es berichteten dazu Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Andreas Frick (Aachen), Hauptgeschäftsführer des Hilfswerkes Misereor, Prof. Dr. Hannes Schammann (Hildesheim), Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Migrationspolitik an der Universität zu Hildesheim, Mitglied im bundesweiten Sachverständigenrat für Integration und Migration; Monika Schwenke (Magdeburg), Abteilungsleiterin Soziale Arbeit im Caritasverband für das Bistum Magdeburg.

Die Bischofskonferenz hatte bei der Herbst-Vollversammlung im September 2015 einen „Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen“ ernannt, unter dessen Federführung unter anderem der Arbeitsstab für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz gegründet, jährliche Flüchtlingsgipfel organisiert und die Vernetzung der Flüchtlingsbeauftragten der (Erz-)Bistümer gefördert wurden. Wie bereits im Mai 2025 vorgestellte Zahlen belegen, hat die katholische Kirche in Deutschland ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe seit 2015 nationale und international kontinuierlich weiterentwickelt. Wichtige Akteure der katholischen Flüchtlingshilfe sind die 27 (Erz-)Bistümer und die Militärseelsorge, die Orden, die Caritas, die Malteser, katholische Verbände sowie die kirchlichen Hilfswerke. ->21.05.2025: Flüchtlingshilfe 2024 in Zahlen

Danach wurden seit 2014 insgesamt mindestens 1,182 Milliarden Euro für die katholische Flüchtlingshilfe in Deutschland und im Ausland bereitgestellt. Im Jahr 2024 belief sich die Gesamtsumme der Mittel auf 84,4 Millionen Euro, davon 34,1 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe in Deutschland, einschließlich Sachleistungen mit einem Gegenwert von etwa 1,8 Millionen Euro. Mit den Mitteln werden beispielsweise niedrigschwellige Begegnungsangebote wie Willkommenscafés oder Orientierungskurse, vielfältige Beratungsangebote, Sprachkurse für verschiedene Zielgruppen, Projekte zur Förderung der Arbeitsmarktintegration oder die Unterstützung von Familien finanziert. Für die Flüchtlingshilfe im Ausland beliefen sich die Mittel 2024 auf etwa 50,3 Millionen Euro. Der Großteil davon, rund 39,9 Millionen Euro, wurde durch die kirchlichen Hilfswerke verausgabt (2023: 47,7 Millionen Euro). Mit rund 10,4 Millionen Euro engagierten sich zudem die Diözesen für die Unterstützung von Projekten im Ausland (2023: 8,1 Millionen Euro). Im Jahr 2024 waren etwa 5.480 hauptamtliche Mitarbeitende und rund 35.000 ehrenamtlich Engagierte in der Hilfe für Geflüchtete tätig (2023: 5.775 Hauptamtliche und 36.600 Ehrenamtliche). Sie sind das Gesicht der katholischen Flüchtlingshilfe. Die Zahl der Schutzsuchenden, die in Deutschland durch die katholische Flüchtlingshilfe erreicht wurden, belief sich im Jahr 2024 auf etwa 492.000 (2023: 525.000). Mehr unter: www.fluechtlingshilfe-katholische-kirche.de.

Weltweit wird der katholische Welttag des Migranten und Flüchtlings seit 2019 immer am letzten Septembersonntag begangen: Papst Benedikt XV. hatte ihn bereits 1914 mit dem Dekret Ethnografica studia ausgerufen (Sacra Congregatio Consistorialis, Decretum de Sacerdotibus in certas quasdam regiones demigrantibus Ethnografica Studia, 1914). Päpstliche Botschaften zum Welttag der Migranten: https://www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/messages/migration.index.html). Getragen wird der Welttag von Organisationen wie Caritas, Missio, Sant’Egidio oder Misereor. Er wird auch in vielen Pfarrgemeinden begangen. (S. Gemeinsames Wort zur Interkulturellen Woche 2025). Papst Leo XIV. beging am 4. und 5. Oktober ein umfangreiches Programm an Gottesdiensten und Feierlichkeiten zum katholischen „Welttag des Migranten und Flüchtlings“. Er wurde im Rahmen des „Jubiläums der Migranten und der missionarischen Welt“ als zentraler Bestandteil des laufenden Heiligen Jahres begangen. Hier die Botschaft von Papst Leo zum Weltmigrantentag 2025.

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Dies ist ein Beitrag der katholischen Redaktion KiP-NRW für die Verkündigungssendung "Augenblick mal" im NRW-Lokalfunk. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Chefredakteur Dr. Christof M. Beckmann | Redaktion KiP-NRW | 0208 - 46849961 | Mail: beckmann@kip-nrw.de
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