INFO: Im Weltmissionsmonat geht der Blick nach Madagaskar: Klimawandel und ausbeuterischer Rohstoffabbau stürzen Menschen dort ins Elend. „Madagaskar ist ein Land, das sehr reich an Bodenschätzen ist. Wir haben Gold, Mica, Saphire und andere Rohstoffe, die weltweit gebraucht werden. Aber wer profitiert von diesem Reichtum? Das sind vor allem die Wohlhabenden“, sagte Bischof Luc Olivier, der das Bistum Tôlagnaro im Süden Madagaskars leitet. Die breite Bevölkerung müsse stärker an den Erlösen beteiligt werden. Darauf solle die Bundesregierung bei politischen Gesprächen in Madagaskar ausdrücklich drängen. „Wir möchten, dass die lokale Bevölkerung, die dazu beiträgt, dass diese Bodenschätze gewonnen werden können, davon einen Nutzen hat“, so Bischof Luc Olivier im Zuge der Eröffnung des „Monats der Weltmission“.
Das katholische Hilfswerk missio Aachen und das Bistum Aachen haben gemeinsam mit acht Gästen aus Madagaskar bundesweit den Monat der Weltmission eröffnet. Er endet am 25. Oktober mit dem Weltmissionssonntag und einem Abschlussgottesdienst im Regensburger Dom. Dann wird in 100 Ländern für einen globalen katholischen Solidaritätsfonds gesammelt, der für die Arbeit der Kirche in den ärmsten Regionen des Globalen Südens bestimmt ist. Madagaskar steht 2026 im Mittelpunkt der Aktion in Deutschland. Die Aktion zum Weltmissionssonntag ist die größte globale katholische Solidaritätsaktion. Sie feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum und wurde 1926 von Papst Pius XI. eingeführt.
In Deutschland weiten die internationalen katholischen Hilfswerke missio Aachen und missio München die Aktion zu einem Monat der Weltmission aus. Missio-Präsident Dirk Bingener kritisierte in diesem Zusammenhang die beschlossenen Kürzungen im Etat des Entwicklungsministeriums: Die Kürzungen hätten verheerende Auswirkungen, zum Beispiel in Madagaskar. Unternehmen und Regierungen in den Industrieländern müssten nicht nur bei Mica „die Lieferketten viel mehr im Blick haben und auf bessere Arbeitsbedingungen drängen“, forderte Bingener. Missio versuche, den Menschen in Deutschland den Rohstoff Mica und seine problematische Gewinnung bekannt zu machen. Derzeit könnten allerdings selbst Verbraucher, die sich für das Thema interessierten, nicht bewusst auf Mica verzichten, denn Lieferwege und Inhaltsstoffe etwa in Autolacken oder Kosmetika würden nicht ausreichend gekennzeichnet. Weiterhelfen könnte hier etwa die Bezeichnung „Mica-frei“ oder „Mica fair abgebaut“. Bingener betonte, Lieferketten und Inhaltsstoffe müssten transparent sein, um dem Verbraucher zu ermöglichen, Ausbeutung zu verhindern. „Wir stehen hier noch am Anfang – die Industrie ist nicht sehr auskunftsfreudig.“ Der „Monat der Weltmission“ möchte auf Themen wie diese aufmerksam machen und Menschen und Projekte vernetzen.
Mutige Menschen – Unsere Gesprächspartnerin
Die Chemikerin und Ordensfrau Schwester Claudine Aimée Rasolohery berichtet, wie sie mit missio-Unterstützung aus madegassischen Pflanzen bezahlbare Medikamente entwickelt. „In Madagaskar gibt es 23.000 Heilpflanzen. Dieser Reichtum an Pflanzen ermöglicht es uns, auf synthetische Medikamente zu verzichten und eigene herzustellen“, sagte sie. Mit herkömmlichen Medikamenten koste die sechsmonatige Behandlung gegen virale Hepatitis in Madagaskar 7.600 Euro. Der größte Teil der Bevölkerung Madagaskars kann sich so eine Behandlung nicht leisten. Schwester Claudine hat das Medikament Cimopar aus dem Bettlerkraut entwickelt. Es reduziere die Kosten auf 204 Euro pro Person. Das Medikament, das auch bei der Behandlung von Corona-Infektionen und weiteren Erkrankungen helfe, werde inzwischen von Tausenden abgenommen. Mit Hilfe von missio seien Problem bei der Stromversorgung ihres Labors inzwischen behoben worden. Schwester Claudine forscht an weiteren Medikamenten, betreibt mit ihren Mitschwestern nachhaltige Agroforstprojekte und bildet als Chemieprofessorin junge Menschen aus.
(mehr unter https://www.missio-hilft.de )
Klimawandel
Zum Auftakt des Monats der Weltmission hat der Aachener Bischof Helmut Dieser zum gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen. Er verwies laut Mitteilung des katholischen Hilfswerks missio Aachen darauf, dass die Menschen im globalen Süden besonders stark unter den Folgen des Klimawandels zu leiden hätten. So auch Madagaskar als Beispielland des Monats der Weltmission.
In dem Land bedrohten immer häufigere und heftigere Zyklone, andere Extremwetterereignisse, Dürren und der steigende Meeresspiegel die Lebensgrundlagen vieler Menschen. Zugleich hätten sie selbst am wenigsten zum Klimawandel beigetragen. Einen wesentlichen Teil der Verantwortung trügen vielmehr die Industrienationen und die Lebensweise des globalen Nordens.
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Dies ist ein Beitrag der katholischen Redaktion KiP-NRW für die Verkündigungssendung "Augenblick mal" im NRW-Lokalfunk. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Redaktionsleiter Stefan Klinkhammer | Redaktion KiP-NRW | 0221 - 96 90 03 30 | Mail: klinkhammer@kip-nrw.de- Zu Gast in NRW: Mutige Menschen
